Soziales
02. 03. 2010
„Wir fliegen selbst nach Somalia um unsere Männer freizukriegen“

Die Frauen der Fischer suchen in ihrer Verzweiflung durch die Medien Schutz und Hilfe. Foto: I.S.
Piraten lassen das Fischereischiff „Thai Union“ nicht frei. Sie treiben dadurch die Familien der gefangen genommenen Kaliningrader Fischer an den Rand der Verzweiflung.

Mitte Februar fand am Vasilevskij-Platz eine Kundgebung statt, bei der die Ehefrauen der Besatzungsmitglieder der „Thai Union“ für die Freilassung ihrer Männer demonstrierten. Sie erklärten ihre Bereitschaft sich auf den Weg nach Afrika zu machen um die Freilassung ihrer Ehemänner zu erzwingen.

„Wir sind verzweifelt! Wir finden überhaupt keine Ruhe, die Verhandlungen über die Freilassung des Schiffs bringen ja nichts. Wir haben furchtbare Angst um unsere Männer. Die Ungewissheit treibt uns in den Wahnsinn!“, sagte Valentina Gluschko, die Frau des ersten Offiziers der „Thai Union“. „Wir demonstrieren um die Aufmerksamkeit der Regierung auf unser und das Leid unserer Männer zu lenken. Jemand soll doch endlich durchgreifen!“

Der Überfall auf das Thunfischseiner „Thai Union“ ereignete sich am 29. November 2009 vor der Ostküste Afrikas. Das Schiff gehört einer Fischfanggesellschaft aus Thailand. Die Besatzung besteht aus 23 Russen, die meisten von ihnen Kaliningrader, zwei Philippinern und einem Ghanaer. Der Schiffskapitän Sergej Charlan wurde während des Überfalls am Arm verletzt. Sein erster Offizier Gluschko hatte es gerade noch geschafft einen Notruf vom Bord der „Thai Union“ per Funk durchzugeben, als das Schiff von den Piraten gekapert wurde. Eine britische Fregatte empfing das Notsignal und eilte unseren Fischern zu Hilfe, aber es war bereits zu spät, die „Thai Union“ befand sich in der Gewalt der Seeräuber.

Seitdem gibt es so gut wie keine Informationen darüber, wie es um unsere gefangen genommenen Landsleute bestellt ist. Die „Kaliningradskaja Pravda“ setzte sich mit dem Unternehmen in Verbindung, das die Besatzung für die „Thai Union“ in unserer Stadt angeheuert hatte. Der Pressesprecher des Unternehmens vermochte nur zu sagen, dass die Verhandlungen mit den Piraten noch nichts Erfreuliches gebracht hätten.

Das war auch das Thema der neulich stattgefundenen Kundgebung. Die Frauen verlangten aktive Maßnahmen, sie sagten, dass sie schon bei allen möglichen Instanzen um Hilfe gebeten hätten - jedoch vergebens! Anna, die Frau des Schiffsmechanikers Sachar Vintenbach, klagt: „Sie versprachen uns unsere Männer freizukaufen und sagten, dass wir uns deswegen keine großen Sorgen machen sollten. Aber es ist schon Februar und unsere Männer werden dort nichts mehr zu essen haben, weil Nahrungsmittel und Trinkwasser schon im Januar knapp gewesen waren. Wir sind nahe daran selbst nach Somalia zu fliegen um unsere Männer freizukriegen.“

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Quelle:Russ. Zentralbank