Wirtschaft
02. 02. 2010
Faire Preiskorrektur oder gezielte Preisunterbietung?

An der neuen Autobahn gibt es auffallend viele Laternen – dem Gouverneur Boos wird eine Vorliebe für gute Straßenbeleuchtung nachgesagt. Foto: I.S.
Eine Straßenbaufirma hat ihrem Auftraggeber einen Preisnachlass in Höhe von zwei Milliarden Rubel, ca. 50 Millionen Euro, gewährt. Es fragt sich, wie ein so großzügiges Entgegenkommen überhaupt möglich war.
Den Auftrag für den Bau des zweiten Autobahnabschnittes – von Selenogradsk/Cranz über Pionerskij/Neukuhren bis nach Svetlogorsk/Rauschen – hat die Straßenbaufirma VAD aus St. Petersburg gewonnen. Sie war es auch, die den Bau des ersten Abschnittes von Kaliningrad bis Selenogradsk erfolgreich gemeistert hatte.

Firma Belavtodor aus Weißrussland versuchte, bei der Ausschreibung als Bewerber mitzuhalten. Sie erklärte sich bereit, den besagten Straßenabschnitt für elf Milliarden Rubel – um 500 Millionen Rubel unter dem Startpreis – zu bauen. Die Kaliningrader Straßenbaufirma Rossbahn schlug ihren Preis – 9,5 Milliarden Rubel – vor.

Die Petersburger Firma VAD „überbot“ diesen Vorschlag mit ihren 9,34 Milliarden Rubel und gewann die Ausschreibung. Der Startpreis konnte somit um mehr als zwei Milliarden Rubel unterboten werden.

Viele fragen sich jetzt, ob ein derartiger Preisnachlass nicht die Gefahr einer schlechteren Straßenbauqualität in sich birgt. Gennadij Lejbovitsch, der in der Gebietsregierung für Straßenbau und Straßeninfrastruktur zuständig ist, antwortet darauf mit einem klaren Nein. In einem Interview mit der Zeitung „Kaliningradskaja Pravda“ betonte er, dass die Preisreduzierung, die auf den ersten Blick aus jedem Rahmen zu fallen scheint, durchaus begründet sei. Vor allen dadurch, dass der Auftragnehmer jetzt nicht von Null beginnen soll, sondern eine schon fertige Infrastruktur vorfindet. „Alles, was man dazu braucht, ist ein eigenes Asphaltwerk, und selbst eine eigene Sandgrube ist vorhanden“, so Lejbovitsch.

Die Petersburger Firma VAD krempelt schon die Ärmel hoch. Sie hat ja versprochen, den besagten Autobahnabschnitt bereits 2012 – ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen – fertig zu stellen. „Der Terminplan stellt für den Bau der Autobahnstrecke zwischen Selenogradsk und Svetlogorsk 33 Monate zur Verfügung. Unser Auftragnehmer verpflichtete sich aber freiwillig, mit lediglich 25 Monaten auszukommen“, so Lejbovitsch. Der Beamte erklärte sich im gleichen Zuge bereit, Stellung zu den viel diskutierten Plänen einer kostenpflichtigen Nutzung der neuen Autobahn zu nehmen. „Ich bin dafür, dass man diese Pläne lieber fallen lässt. Ein Mautstraße muss von Anfang an als solche entworfen und gebaut werden. Das Projekt, das wir jetzt umsetzen, ist nicht dafür ausgelegt.“

Doch der Gouverneur Boos äußerte kürzlich in einem Fernsehinterview einen anderweitigen Standpunkt dazu. Er sagte, dass die Fahrt über die neue Autobahn kostenpflichtig sein werde, die entsprechenden Gebühren aber sehr „moderat“ sein sollen.

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Quelle:Russ. Zentralbank