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Nachrichten aus Kaliningrad
Nr. 5 - Mai 2013 - 21. Jahrgang Samstag, 25. Mai 2013 |
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Zusammenarbeit 01. 08. 2012
Mit Beethoven in Russlands Westen
Bonner Politiker bringen eine Beethoven-Statue nach Kaliningrad als Geschenk mit.
![]() Der Vorsitzende des Vereins für Jugendförderung Bonn Eberhard Petereit und der Bonner Bürgermeister Horst Naaß übergaben die Beethoven-Skulptur an Kaliningrader OB Alexander Jaroschuk (v.l.n.r.). Foto: privat Kaliningrad/Bonn. Seit mehr als 20 Jahren verbinden die Städte Bonn und Kaliningrad enge Kontakte - vor allem auf dem Gebiet der Jugendsozialarbeit. Zeit, der Freundschaft ein Denkmal zu setzen, dachten sich die Bonner – und nahmen einen gewichtigen Botschafter mit in die Ostseestadt.
Mit seinem Gastgeschenk zum diesjährigen Tag der Stadt in Kaliningrad fiel Bonns Bürgermeister Horst Naaß ein wenig aus dem Rahmen. Der Empfang der offiziellen Gäste nahm zunächst so seinen Lauf im großen Saal des Weltmeeresmuseums, Grußworte wurden gehalten und die üblichen Devotionalien überreicht, Bildbände, Kunsthandwerk, ein paar landestypische Spirituosen, alles wie immer. Dann kam die Reihe an Naaß, und dessen Mitbringsel war von anderem Kaliber: eine in den Farben Deutschlands und Russlands bemalte Beethoven-Statue, gemeinsam gestiftet von der Bundesstadt Bonn und dem dortigen Verein für Jugendförderung. Kaliningrads Oberbürgermeister Alexander Jaroschuk musste zweimal hinschauen, um zu glauben, was er sah: „Unsere Bonner Freunde sind doch immer wieder für Überraschungen gut.“ Nun hat also auch Russland seine Beethovenstadt. Wo die Figur stehen wird im früheren Königsberg, ist bislang noch offen, Horst Naaß könnte sich gut das Stadthaus als Standort vorstellen – oder die Jugendkunstschule. Dort sei die Statue vor einigen Wochen von russischen und deutschen Jugendlichen in einem gemeinsamen Workshop bemalt worden, sagt er. „Aber wo die Statue aufgestellt wird, ist natürlich eine Entscheidung unserer Kaliningrader Partner.“ Beethoven wird seinen Platz gewiss finden in Russlands westlichster Metropole, die einst Preußens Osten war und heute ihre Zukunft auch im gerechten Umgang mit lange tabuisierter Historie sucht. Die ganze Stadt – ein Ort mit doppeltem Boden. Deutsches Einst, russisches Heute. Da birgt jedes Denkmal Stoff für Bekenntnisse, symbolhafter als anderswo: Dichterfürst Schiller vor dem Theater, auf der Dominsel Herzog Albrecht, und natürlich Immanuel Kant, der große Sohn Königsbergs. Andere Bildhauerkunst erinnert an Käthe Kollwitz, Ludwig Rhesa, Münchhausen, E.T.A. Hoffmann. Kaliningrader Erinnerungskultur setzt zwangsläufig andere Akzente als sonst in Russland. Wenn künftig in Kants einstiger „Stadt der praktischen Vernunft“ irgendwo zwischen Schiller und Zar Peter auch eine Büste Beethovens steht, dann eigentlich als Symbol für eine mehr als 20-jährige gelebte Städtefreundschaft. Seit 1991 verbindet Bonn und Kaliningrad eine intensive Zusammenarbeit vor allem in der Jugendsozialarbeit. „über die Jahre haben wir im Austausch von Jugendgruppen und Jugendfachkräften und verschiedensten Veranstaltungen weit mehr als 500 überwiegend junge Leute zusammengebracht“, sagt Eberhard Petereit vom Bonner Verein für Jugendförderung. Er zählt zu den Initiatoren dieser deutsch-russischen Brücke, deren Engagement von Projekten im Bereich der Drogen- und Gewaltprävention über Schulpartnerschaften und Austauschprogramme bis zu gemeinsamen Ausstellungen und Seminaren zum Umwelt- und Klimaschutz reicht. Im Salem-Kinderdorf bei Ljublino, 30 Kilometer westlich von Kaliningrad, treffen sich Jugendliche aus Bonn und der Exklave Kaliningrad Sommer für Sommer zu einem ökocamp, zur Erinnerung an diese Aktionen blüht und gedeiht dort mittlerweile eine lange Reihe von Obstbäumen, die „Bonn-Allee“. Sie ist gerade wieder ein Stück gewachsen: Vor wenigen Wochen griffen im Salem-Dorf Journalisten des Bonner Medienclubs zu Schaufel und Spaten, um ein Dutzend junger Bäume zu pflanzen. In Kaliningrad gilt die Zusammenarbeit mit der alten Bundeshauptstadt als ein Musterbeispiel. Fremd ist die russische Ostseestadt daher auch dem Bonner Bürgermeis-ter längst nicht mehr, viele Male empfing Horst Naaß Delegationen aus Kaliningrad im Rathaus. Doch es sei etwas ganz anderes, die Stadt selbst zu erleben, sagt er und gibt sich fasziniert von der Vitalität und Umbruchsstimmung: „Der Aufschwung ist förmlich mit Händen zu greifen. Gebaut wird in Kaliningrad fast an jeder Ecke.“ Beeindruckt habe ihn der Optimismus, mit dem hier trotz vieler Prob-leme, eines gewaltigen Nachholbedarfs etwa beim Ausbau der Infrastruktur, den Hindernissen durch die Exklavenlage und Bevormundungen aus Moskau für die Zukunft geplant werde. „Kaliningrad wird sich in den nächsten Jahren kräftig entwickeln, da bin ich mir sicher.“ Zusammen mit Eberhard Petereit besprach Naaß in der Stadtverwaltung Schwerpunkte künftiger Kooperationsprojekte. Die Arbeit mit geistig Behinderten gehört dazu, eine Ausstellung, und mehr bürgerschaftliche Kontakte vor allem im Bereich der Jugendarbeit, sagt Naaß. „Junge Leute zusammenzubringen ist doch das Beste, was man zwischen unseren beiden Städten und Ländern tun kann.“ Auch dieses Jahr werden wieder russische Jugendliche aus Kaliningrad zu einem Workshop zum Thema „Umweltschutz-Klimawandel“ für eine Woche nach Bonn kommen. Eine Idee für einen weiteren Bonner Exportschlager hat Bürgermeister Horst Naaß auch schon wieder. Da die Kaliningrader ihren Beethoven nun haben, werden sie als nächstes wohl den Karneval bekommen. Den ersten Karnevalsorden hatte vor wenigen Wochen bereits der Bonner Medienclub bei seinem Kaliningrad-Besuch verliehen. Soweit wird es noch kommen in der Städtefreundschaft zwischen Pregel und Rhein: dass aus den Königsberger Russen ein paar echte Jecken werden. Thoralf Plath |
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