Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Geschichte & Gegenwart
Barclay de Tolly wieder hoch zu Ross
In Tschernjachowsk/Insterburg ist ein Denkmal für Generalfeldmarschall Barclay de Tolly enthüllt worden. Der russische Fürst ist einer der Helden des nationalen Befreiungskrieges gegen Napoleon.

Tschernjachowsk ehrte den Helden des Großen Vaterländischen Krieges 1812 mit einer Reiterstatue. Foto: I. S.
Es ist bereits das dritte Denkmal für de Tolly in Russland, der heldenhaft 1812 in der Schlacht bei Borodino und bei anderen Gefechten während des Befreiungskrieges gekämpft hatte. Doch erstmals wurde der Held in Tschernjachowsk in stolzer Positur hoch zu Rosse dargestellt.

Die 4,2 Meter hohe Reiterstatue steht auf einem imposanten Sockel und erreicht damit eine Gesamthöhe von fast sieben Metern. Vor dem Feldherren auf dem Pferderücken ausgebreitet liegt eine Landkarte von Paris, auf der der Betrachter die eingezeichneten Verteidigungslinien und Angriffspfeile entdecken kann, sodass bei ihm der Gedanke aufkommt, der Generalfeldmarschall habe eben eine Rekognoszierung des Sturms auf die französische Hauptstadt vorgenommen.

Auf dem Sockel ist unterhalb des russischen Staatswappens die Inschrift „Für den großen russischen Heerführer, Generalfeldmarschall Barclay de Tolly, 1757-1818)“ zu sehen. Darunter ist das Wappen der Familie de Tolly angebracht. Fürst Barclay entstammte bekanntlich dem russischen Zweig des alten schottischen Adelsgeschlechts de Tolly. Es war also nicht weiter verwunderlich, dass zur feierlichen Denkmalenthüllung in Tschernjachowsk auch ein Abgeordneter des nationalen schottischen Parlamentes, Alexander Stevenson, angereist war. Als Abgeordneter vertritt er im Parlament den Distrikt Banf, aus dem das Adelsgeschlecht de Tolly ursprünglich stammt. Zwar könne sich Schottland noch keines einzigen Denkmals zu Ehren Barclay de Tollys rühmen, sagte Stevenson, doch halte er eine Errichtung in seiner Heimat für durchaus möglich, besonders wenn er seinen Landsleuten von dem feierlichen Ereignis im fernen Tschernjachowsk berichtet habe. Stevenson übergab den Bürgern von Tschernjachowsk ein Schreiben der heutigen Nachfahren von de Tolly, in dem sie den Bewohnern von Tschernjachowsk für die Wahrung des Andenkens an ihren großen Vorfahren danken.

Dass das neue Denkmal gerade in Tschernjachowsk aufgestellt wurde, hat seine Gründe. Einige seiner Schlachten hatte Barclay de Tolly in Ostpreußen ausgetragen. Hier verstarb er auch an den Folgen einer Erkältung im Mai 1818 im nur wenige Kilometer von Insterburg entfernten Gutshof Stielitz (heute Dorf Nagorny), wo damals auch sein Herz begraben wurde.

Die Enthüllung des Denkmals fand am 31. März 2007 statt. Auch das Datum war nicht zufällig gewählt worden. Genau an dem Tag hatte Zar Alexander I. im Jahr 1814 seinem ruhmreichen Feldherrn Barclay de Tolly als Auszeichnung für die Einnahme der französischen Hauptstadt den Feldmarschallsstab überreicht.
(kinfa)




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Quelle:Russ. Zentralbank