Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Geschichte & Gegenwart
Historisches U-Boot noch seetüchtig
Über die Geschichte des U-Bootes B-413, das dem Weltmeeresmuseum in Kaliningrad als Ausstellungsstück dient, berichtet die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“

Die B-413 ist zurzeit im „Ruhestand“, ihr Seerohr, Motor und Bewaffnung können aber jederzeit "reanimiert" werden . Foto: I. S.
SEEÜBUNGEN UND BESUCH IN KUBA

Obwohl derzeit ein „historisches“ Exponat, ist die B-413 immer noch ein intaktes U-Boot. Das tägliche Putzen, Warten und Pflegen unterliegt einer zwölf Mann Besatzung, die ständig an Bord der B-413 präsent ist.

Die B-413 erlebte ihre Jungfernfahrt Ende der 60er Jahre nahe der Admiralitätswerft in Leningrad (heute St. Petersburg). Ihre hervorragenden Kampfeigenschaften machten sie damals zu einem der besten U-Boote der Welt. Im Winter 1968 verließ sie die Ostsee und fuhr um ganz Nordeuropa in die Barentssee. Dort trat sie ihren Dienst in der sowjetischen Nordflotte an. Ein Jahr später brach sie zu ihrer ersten längeren Seefahrt auf und stattete der Insel Kuba einen Freundschaftsbesuch ab.

Nach dem Kubaaufenthalt wurde die B-413 in das so genannte „Diensthabende System“ der sowjetischen Marine integriert, welches für den Zentral- und Südatlantik und das Mittelmeer verantwortlich war. Bemerkenswert ist, dass unsere U-Boote damals die Seestraße Gibraltar unter dem Kiel von Fahrgast- und Frachtschiffen zu passieren pflegten, um von den hydroakustischen Beobachtungen zahlreicher NATO-Posten unentdeckt zu bleiben. Die B-413 hätte es im Übrigen nicht nötig gehabt, da ihr Geräuschpegel ohnehin sehr niedrig war.

1972 nahm die B-413 an der großen Seeübung der sowjetischen Kriegsflotte im Atlantik teil und stattete Kuba erneut einen Besuch ab. Diese Seeübung, die den Kodenamen „Ozean“ trug, wurde vom Untergang des sowjetischen U-Bootes K-80 überschattet. An der erfolglosen Rettungsaktion war auch die B-413 aktiv beteiligt.

GEVATTER TOD NUR KNAPP ENTRONNEN

Der Militärdienst auf See ist bekanntlich keine Kreuzfahrt. So schwebte die Besatzung der B-413 mehrmals in Lebensgefahr. Einmal, als sie während einer Übung zu einem Torpedoabschuss ansetzte, rammte sie in voller Fahrt ein Schiffswrack. Nur der Mut und die richtige Reaktion der Besatzung verhinderten damals das Schlimmste.

1980 wurde die B-413 nach einer Reparatur in Jugoslawien getestet. Als sie 50 Meter tief war, zeigten die Geräte plötzlich eine buglastige Bewegung an. In einem Winkel von 50 Grad begann das U-Boot in die Meerestiefe zu gleiten. Die Tiefenruder klemmten. Ein Marineleutnant namens Firsin reagierte blitzschnell. Er rannte zum Heck, fand die defekte Stelle und behob den Schaden. Die Heckruder funktionierten wieder und das U-Boot konnte auftauchen.

ZURÜCK IN DIE OSTSEE

Ende der 80er Jahre zog die sowjetische Flottenführung alle U-Boote mit Diesel-Elektro-Antrieb von der Barentssee ab und unterstellte sie der Baltischen Flotte. Diese zählte dadurch plötzlich fast 50 U-Boote und wurde somit zur mächtigsten Seestreitkraft in der Ostsee. Beim Zusammenbruch der Sowjetunion verschlechterte sich die finanzielle Lage des Militärs schlagartig, sodass viele U-Boote demontiert werden mussten.

Der Leiterin des Meeresmuseums Swetlana Siwkowa und dem Befehlshaber der Baltischen Flotte Wladimir Jegorow ist es zu verdanken, dass die B-413 damals nicht zu „Resierklingen“ verarbeitet wurde. Sie ging am Pregelufer vor Anker und wurde eines von acht U-Booten, die derzeit in Russland als Museumsexponate genutzt werden. Von diesen acht ist aber nur die B-413 noch weitgehend gefechtsbereit. Falls nötig, schneiden die Matrosen die Blindverschlüsse der Torpedorohre und einiger Außenbordschlitze mit Gasbrennern weg, laden binnen weniger Stunden den überschüssigen Ballast aus und Batterien und Munition wieder ein: schon ist das U-Boot völlig gefechtsbereit und seetüchtig.

TECHNISCHE DATEN VON B-413

Maximale Tauchtiefe: 400 Meter; Stützpunktunabhängigkeit: 90 Tage; Besatzung: 80 Mann; Bewaffnung: 6 Bugtorpedorohre, 4 Hecktorpedorohre; Munition: 22 Torpedos (wahlweise können zwei Torpedos mit Atomsprengköpfen bestückt werden)
Die Baltische Flotte verfügt derzeit über ein Schul-U-Boot dieser Art, auf dem beispielsweise Offiziere und Matrosen der indischen Kriegsmarine ausgebildet werden.




Devisenkurse: 31. 10. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank