Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Wirtschaft
Die Wiederherstellung des Wasserkraftwerkes Friedland
Der Wiederaufbau von deutschen Kraftwerken (derer gibt es in Kaliningrad 50 kann für die Exklave, die mehr als 80 % der benötigten Elektroenergie aus Russland transit durch Litauen bekommt, eine Perspektive bieten. Es schafft alternative Energiequellen und befreit die Region von der Abhängigkeit in der Energiewirtschaft.
Am 14. Mai wurde in Prwadnsk das Wasserkraftwerk nach über zwanzigjährigem Stillstand n Betrieb genommen, In der gegenwärtigen schweren Lage wurde dieses noch vor dem Krieg gebaute, fast zerstörte Wasserkraftwerk von der Firma „Jantarenergo“ wiederaufgebaut und mit moderner Technik ausgestattet.

Ein wenig Geschichte

Nach dem Versailler Friedensvertrag 1919 wurde Ostpreußen vom Reich durch den polnischen Korridor getrennt. In einer ähnlichen Situation befindet sich heute auch das Kaliningrader Gebiet, das nach dem Zerfall der Sowjetunion von Russland durch Litauen und Weißrussland getrennt ist. Die „Kaliningrader Exklave“ hat heute das gleiche Problem, wie es damals die Preußische Exklave hatte – das Problem der Selbstversorgung, u.a. mit Elektroenergie.

Anfang der 20er Jahre plante die Provinz Ostpreußen ein Kraftwerk zu bauen, das für 31 Kreise mit 60 Städten und 2.000 Landgemeinden Elektroenergie produzieren sollte. Dem Plan entsprechend wurde das Ostpreußenwerk gegründet mit den Wasserkraftwerken in Friedland (Prawdinsk) und 20 Kilometer weiter, in Groß-Wohnsdorf (Kurortnoje) an der Alle (Lawa).

Vier Jahre lang (1921 – 1924) wurde an dem Wasserkraftwerk gebaut, das sich etwa einen Kilometer südlich von Prawdinsk an einer Biegung der Alle befindet.

Der Fluß wurde mit einem 810 Meter langen und 17,6Meter hohen Damm angestaut. Es war damals der höchste Staudamm Deutschlands, aufgeschüttet aus 170 Tausend Kubikmeter Erde.

Früher waren im Wasserwerk drei Turbinen installiert, von denen jede 5.400 PS Leistung hatte, und zusätzlich eine Turbine mit 2100 PS, hergestellt von der Firma „Schichau“ in Elbing. Generatoren von „Siemens-Schukkert“ gaben Wechselstrom von 6.000 Volt an das Umspannwerk. 1925 wurden bei einer Jahreskapazität von 30 Mio. Kilowattstunden im Jahr im Wasserwerk Friedland 9,2 Mio. Kilowattstunden hergestellt.

Bis 1945 gehцrte das Wasserkraftwerk Friedland zur AG „Ostpreußenwerk“. Beim Rückzug der deutschen Armee wurde das Wasserkraftwerk vermint und nur der zielstrebige Vormarsch der sowjetischen Truppen und eine eigens ausgearbeitete Operation retteten es vor der vollständigen Zerstörung.

Noch im Jahr 1945 ging das Wasserkraftwerk, nun als Prawdinsker Wasserkraftwerk 3, wieder an das Netz. Die Aggregate wurden zweimal gründlich überholt, doch 1975 wurde das Wasserkraftwerk wegen Turbinen- und Generatorenverschleiß wieder stillgelegt.

2 Jahre war das Wasserkraftwerk Prawdinsk außer Betrieb. Turbinenschacht und Gebäude waren nach so langer Zeit in baufälligem Zustand. Hätte die Dammkonstruktion in dieser Zeit nachgegeben, hätte es eine riesige Naturkatastrophe gegeben – 1, 5 Mio. Kubikmeter Wasser hätten die Stadt und Dörfer, die an der Alle liegen, einfach fortgeschwemmt.

So wäre es auch gekommen, hätte man nicht 1997 begonnen, den Turbinenschacht und den Damm der beiden Wasserkraftwerke wieder aufzubauen. Die Bauarbeiten kosteten 21 Mio. Rubel. 1998 wurde die erste Turbine fertiggestellt und 1998 ein Testlauf durchgeführt.

Das Wasserkraftwerk heute

Technisch gesehen ist das Wasserkraftwerk Prawdinsk ein kleines Wasserkraftwerk, dennoch ist es das größte unter den kleineren Anlagen im Nordwesten Russlands. Die geplante Kapazität beträgt 12,5 Megawatt.

Es arbeiten bereits eine Turbine und ein Generator, die eine Leistung von 1,2 Megawatt erbringen. Vize-Gouverneur Sergej Butschelnikow sagte, noch in diesem Jahr sei der Eibau einer Maschine mit einer Kapazität von 3 Megawatt geplant. Weitere Maschinen sollen im Jahr 2000 folgen.

Gouverneur Leonid Gorbenko sagte in seiner Erцffnungsrede: „Der Wiederaufbau des Wasserkraftwerkes in Prawdinsk bedeutet nicht nur die Begrьndung einer eigenen цkologisch unbedenklichen Energiequelle und neue Arbeitslдtze, sondern auch die Senkung der Ausgaben fьr teure Heizstoffe. Mit der Erцffnung des Kraftwerkes verbessert sich der Umweltzustand und dies bedeutet auch eine Verbesserung der Gesundheit für jeden von uns.“

Wadim Martynjuk
Zeitung „Dmitrija Dinskogo, 1“




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Quelle:Russ. Zentralbank