Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Mensch und Natur
Bernsteinabbau am Badestrand
Das Bernsteinkombinat in Jantarnyj (ehem. Palmnicken) hat mit der Erschließung einer Lagerstätte begonnen, die sich direkt unter einem der beliebtesten Strände des Gebiets befindet.

Einer der beliebtesten Strände des Gebiets wird der industriellen Bodenschatzförderung geopfert. Foto: Viktor Gusejnow
Diese Art Bernsteinförderung gilt im Vergleich zur Arbeit im Tagebau als weniger kostenaufwendig. Unter Hochdruck wird Wasser in einen unterirdischen Schacht gepumpt. Dabei lösen sich Bernsteinstücke vom Sand und schwimmen an die Oberfläche.

„Die Abbaumaschinen sind bereits am Strand im Einsatz. Kein Mensch kann jetzt ans Meer gelangen, weil die Treppe zum Strand abgesägt wurde. Dabei war das einer der besten Strände im Gebiet! Wie können wir unter diesen Umständen von einer Attraktivität unserer Region für Touristen sprechen?“, regt sich Marina Drutman, Vorsitzende des regionalen Vereins „Klub der Gastfreundschaft“, im Gespräch mit RIA Novosti auf.

Man bedenke, dass direkt am Strand in Jantarnyj ein Denkmal für die Opfer des Holocaust steht. Es wurde im Januar dieses Jahres enthüllt – zum Andenken an über 3.000 KZ-Häftlinge, die hier im Winter 1945 von den Nazis umgebracht worden waren. Durch den unterirdischen Bernsteinabbau könnte das Fundament des Mahnmals beschädigt werden. Außerdem ist der Strand in Jantarnyj Austragungsort internationaler Wettkämpfe in Beachvolleyball und anderen Sportarten.

Ein Sprecher des Bernsteinkombinats erklärt gegenüber RIA Novosti, dass der Abbau nicht auf der gesamten Strandfläche, sondern nur an gewissen Stellen erfolgen wird: „Die von den Urlaubern bevorzugten Strandabschnitte werden von den Abbauarbeiten nicht betroffen. Dieses Vorgehen macht es uns möglich, die ganze am Strand gelegene Lagerstätte innerhalb von zwei bis vier Jahren auszuschöpfen. Unser Kombinat hat nie die Forderung aufgestellt, dass das Holocaust-Denkmal abgetragen werden sollte. Im Gegenteil, unser Direktor hat in seiner Ansprache bei der Enthüllung des Denkmals ausdrücklich versichert, dass wir uns der Bedeutung des Mahnmals bewusst sind und keine Abbauarbeiten in seiner Nähe planen. Was die Volleyballplätze betrifft, so lassen sich diese schnell abmontieren und an einem anderen Ort des Strandes wieder aufbauen.“

Die Stadtväter von Jantarnyj sind trotz diesen Worten ziemlich verwirrt. „Wir haben uns einiges von der kommenden Sommersaison erhofft“, sagt der Vorsitzende des Kreisrates Jantarnyj, Sergej Kopejka. „Nun können wir wohl große Einnahmen im Tourismus vergessen. Schade, denn eigentlich ist der Tourismus für unseren Haushalt rentabler als die Bernsteinförderung.“

Zur Information: Bei Jantarnyj befindet sich die weltgrößte Bernsteinlagerstätte. Sie enthält über 90 Prozent der bekannten Weltvorräte des fossilen Harzes. Bernstein wird in Jantarnyj hauptsächlich im Tagebau gewonnen. 2010 wurden hier 341 Tonnen Bernstein abgebaut.






Devisenkurse: 31. 10. 2018
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Quelle:Russ. Zentralbank