Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Jubiläum
Bier, das über die Grenzen hinaus bekannt ist
Die Brauerei „Ostmark“ feiert 100-jähriges Bestehen.

Moderne Anlagen, Mess- und Steuergeräte sind aus den heutigen Brauereien nicht wegzudenken. Foto: I.S.
Die Kaliningrader Bierbrauergesellschaft Iwan Taranow (PIT) versteht sich als Nachfolgerin der einst in Königsberg ansässigen Ostmark-Brauerei. Im Juli dieses Jahres beging das Unternehmen sein 100-jähriges Jubiläum.

Die 1910 gegründete Aktiengesellschaft „Königsberger Brauerei Devau“ befand sich, wie ihr Name schon besagt, im nord-östlichen Teil der Pregelstadt, in Devau. Sie war einer der größten Bierproduzenten im östlichen Teil des Deutschen Reiches und braute mehrere Sorten Hell- und Dunkelbiere, die unter der Firmenbezeichnung „Ostmark“ nicht nur in Königsberg, sondern auch weit über die Grenzen Ostpreußens hinaus bekannt wurden.

Einen ganz besonderen Wert legten die Bierbrauer auf die Reinheit und Qualität des Wassers. Dazu wurden in der Brauerei Devau zwei Brunnen gebohrt, von denen jeder pro Stunde 72.000 Liter reinsten Wassers hergab. Des Weiteren wurde neben dem Betriebsgelände ein Teich ausgehoben, desssen Wasser zur Herstellung von Eis verwendet wurde. Alle technologischen Arbeitsgänge wie Kochen, Mälzen usw. wurden mit Hilfe von elektrischen Anlagen und Messgeräten ausgeführt und überwacht, was damals dem höchsten Stand der Technik entsprach. Frisch gebrautes Bier wurde in Holzfässern und in mit keramischen Schnappverschlüssen ausgestatteten Glasflaschen abgefüllt. Die Fässer und Kisten mit den Flaschen wurden dann mit Hilfe von Pferdekutschen an Großhändler, Einzelhändler, Bierkneipen usw. geliefert. Die Brauerei stellte die Arbeit selbst im Krieg nicht ein: Unsere Kriegsveteranen erinnern sich, dass sie im April 1945 auf dem Gelände der gerade im Sturm eingenommenen Brauerei noch versandfertige Bierfässer vorfanden.

Nachdem Ostpreußen an die Sowjetunion gefallen war, wurde die Brauerei in „Kaliningradskij Piwsawod“ umbenannt. Sie produzierte jahrzehntelang die damals sehr beliebten Biersorten wie „Korolewskije Worota“, „Moskowskoje“ und das traditionelle Sowjetbier „Schiguljowskoje“. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Piwsawod in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wobei die Anlagenplanung GmbH aus Hamburg zum mehrheitlichen Aktienbesitzer wurde. Aus Piwsawod wurde offiziell wieder Ostmark. 1994 wurden Maschinen und Anlagen des Unternehmens für teures Geld komplett erneuert. Die Brauerei begann wieder die Biermarke „Ostmark“ nach ihrem alten Originalrezept und die Biermarke „Königsberg“ zu produzieren. Außerdem bekam Ostmark die Lizenz, das weltbekannte österreichische „Gösser“ zu brauen.

2001 wurde die Ostmark-Brauerei Teil der russischen Holdinggesellschaft Piwowarni Iwana Taranowa (dt.: Bierbrauereien Iwan Taranows). Vier Jahre später wurde sie von der niederländischen Unternehmensgruppe Heinecken unter dem Kurznamen PIT übernommen. PIT beschäftigt zurzeit über 300 Arbeitskräfte und beherrscht übrigens über 50 Prozent des Kaliningrader Biermarktes. Die Steuerabgaben von PIT an den Gebietshaushalt betrugen im vergangenen Jahr 2009 fast 240 Millionen Rubel.

Auf einem aus Anlass des Unternehmensjubiläums einberufenen Treffen mit den Kaliningrader Journalisten beeilte sich Heineckens Generaldirektor für Russland, Dimitar Aleksijew, Gerüchte über einen angeblich kurz bevorstehenden Weiterverkauf der Kaliningrader Brauerei zu zerstreuen. „Weder haben wir vor, die Brauerei zu verkaufen, noch wird eine Schließung des Betriebes geplant. Da der Betrieb derzeit zu weniger als 50 Prozent seiner Produktionsleistung ausgelastet ist, beabsichtigen wir, unsere Produktpalette durch die Inbetriebnahme der momentan stillgelegten Kapazitäten zu erweitern. So haben wir beispielsweise jetzt kurz vor dem Jubiläum mit der Produktion von Kwass (russ. Getränk aus gegorenem Brot, Mehl, Malz usw. – Anm.d.Red.) und Hefebier begonnen, im Herbst bringen wir in Flaschen abgefülltes Mineralwasser, „Kristallquelle“, auf den Markt“, so Aleksijew.

Vor einiger Zeit hat Gouverneur Georgij Boos die PIT-Brauerei besichtigt. Er äußerte sich voll des Lobes über die Ausstattung der Betriebshallen mit modernen Maschinen und Ausrüstungen und versprach, zu den Jubiläumsfeierlichkeiten wieder zu kommen. Etwas soll ihn gehindert haben, sein Versprechen zu halten, so kam statt seiner selbst der regionale Landwirtschaftsminister, Andrej Romanow, um eine von Gouverneur Boos unterzeichnete Laudatio zu verlesen.

Dimitar Aleksijew überreichte Romanow seinerseits einen „Bernsteinstern“ – die höchste Auszeichnung des russischen Bierbrauerverbandes. Danach nahmen beide an der Enthüllung einer dem 100-jährigen Jubiläum der Brauerei gewidmeten Gedenktafel teil.

Alexej Milowanov




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Quelle:Russ. Zentralbank