Das Archiv des KÖNIGSBERGER EXPRESS
Geschichte & Gegenwart
Südbahnhof feiert 80-jähriges Jubiläum
Am 19. September 1929 wurde der Königsberger Hauptbahnhof feierlich eröffnet. Er zählte mit Recht zu den damals größten Eisenbahnanlagen Europas.

Der Südbahnhof Kaliningrad heute. Foto: I.S.
Mit den Bauarbeiten am Königsberger Hauptbahnhof wurde im Jahre 1913 begonnen. Den Anstoß dazu gab die rasante wirtschaftliche Entwicklung der ostpreußischen Metropole, die dazu führte, dass die bestehenden Bahnhöfe, die aus dem 19. Jahrhundert stammten, dem steigenden Bedarf nach Personen- und Güterverkehr nicht mehr gewachsen waren. Deshalb fasste die Stadt den Beschluss, einen neuen, dem damaligen Stand der Technik entsprechenden Hauptbahnhof zu errichten.

Ein Jahr nach Baubeginn brach der Erste Weltkrieg aus und verzögerte bereits die Umsetzung des großangelegten Bauvorhabens um sieben lange Jahre. Erst 1920 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, kamen aber wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Nachkriegsmisere in Deutschland nur sehr langsam voran.

Neun Jahre später, am 19. September 1929, fand endlich die feierliche Eröffnung des Königsberger Hauptbahnhofs statt, der mit Recht zu den damals größten Eisenbahnanlagen Europas zählte. Die 178 Meter langen Bahnsteige des Hauptbahnhofs in Königsberg waren durch ein verglastes, aus drei bogenförmigen Teilen bestehendes Dach, dessen Gesamtbreite 120 Meter betrug, gegen Unwetter geschützt. Insgesamt dreizehn Schienenwege beherbergte der neue Bahnhof, darunter auch solche zur Gepäckbeförderung, was einen durchgehenden Zugverkehr ermöglichte.

An der Frontseite des Hauptbahnhofs befand sich eine Skulptur, die Chronos, den altgriechischen Gott der Zeit, bei der Zähmung eines rasenden Pferdes darstellte. Sie wurde jedoch in der Sowjetzeit durch das Staatswappen der Russischen Föderation ersetzt.

Im Inneren des Hauptbahnhofs gab es mehrere Wartesäle, ein Restaurant, eine Imbissstube, ein Kino und zahlreiche Läden, die dem Reisenden einen denkbar guten Komfort sicherten. Im Großen und Ganzen war der Königsberger Hauptbahnhof ein beispielhaft umgesetztes Bauvorhaben, das man sowohl als bautechnisch einwandfrei wie auch als architektonisch gelungen bezeichnen konnte. Außerdem gestalteten die Baumeister des Projektes das anliegende Gelände, vor allem den Bahnhofsvorplatz so um, dass dabei dem Grundsatz der so genannten Verkehrsteilung Tribut gezollt wurde.

Noch bis zum 21. Januar 1945 erfüllte der Hauptbahnhof Königsberg seine Funktion. Im April 1945 wurde er schließlich von Rotarmisten des 169. Schützenregiments eingenommen. Augenzeugenberichten zufolge stellten diese in der Vorhalle des Bahnhofsgebäudes Artilleriegeschütze auf, mit denen sie die feindlichen Stellungen im zentralen Stadtteil Königsbergs beschossen. Das Bahnhofsgebäude wurde während der Kampfhandlungen übrigens kaum beschädigt. Insgesamt belief sich der Schaden am Königsberger Hauptbahnhof auf ungefähr 10 Prozent des Gebäudes und der Anlagen, wobei der größte Teil der Zerstörungen auf die Glas überdachung entfiel.

Der Hauptbahnhof mitsamt seiner Infrastruktur wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut und Anfang November 1949 unter dem Namen Südbahnhof Kaliningrad in Betrieb genommen.

Der heutige Südbahnhof hat die äußere und innere Gestaltung seines Königsberger Vorgängers beibehalten. Zum 750-jährigen Stadtjubiläum wurden das Hauptgebäude sowie die Wartesäle und die Bahnsteige grundlegend saniert. Auch das Glasdach über den Bahnsteigen wurde komplett erneuert und die Vorhalle bekam einen neuen Fußboden aus Granitplatten, imposante Kronleuchter und einen Springbrunnen. Die Aufgänge zu den Bahnsteigen und Treppen wurden mit Auffahrtsrampen ausgestattet. Sogar einer der zwei Haupttunnels wurde saniert, sodass es erstmals in der Nachkriegsgeschichte des Bahnhofs möglich war, Nah- und Fernverkehr in zwei seperate Bereiche zu unterteilen.

Im Jahre 2008 begann man schließlich stufenweise mit der Modernisierung der Bahnsteige, welche nun um 0,4 Meter erhöht werden, um mit dem Fußboden der Waggons zu fluchten. Anstelle der alten Asphaltdecke kommen rutschfeste Fliesen zum Einsatz und für eine bessere Beleuchtung des unter dem Glasdach liegenden Bahnsteigbereiches sorgen neue, nach „alter Zeit“ stilisierte Laternen aus Gusseisen.

Bis Ende 2010 soll außerdem ein Verbindungsgang zwischen den beiden Tunnels für Nah- und Fernverkehr vollständig saniert und zur Nutzung übergeben werden.

Abteilung für öffentliche Angelegenheiten der Kaliningrader Eisenbahn




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Quelle:Russ. Zentralbank