Soziales
31. 07. 2013
„Sonne“ von Lev Allerborn
Der Russlandeutsche Lev Allerborn (30) hat nach fünf Jahren Deutschland-Erfahrung eine glänzende Karriere in Russland als Geschäftsmann gemacht.

Die KiTa „Solnyschko“ hat sich in kurzer Zeit einen sehr guten Ruf verschafft. Foto: I.S.
Ende 2012 ging er als Sieger aus einem von der russischen Zentralregierung ins Leben gerufenen Wettbewerb junger Unternehmer hervor. Sein Netzwerk privater Kindergärten „Sonne“ wurde als das erfolgreichste unter insgesamt 2.500 vorgestellten Projekten anerkannt.

Zum einen das finanzielle Ergebnis: Der Jahresumsatz von Allerborns Netzwerk belief sich auf 14 Millionen Rubel oder umgerechnet 350. 000 Euro, wovon sich der reine Gewinn auf 8 Mio. Rubel bzw. 200.000 Euro belief. Zum anderen kannte die Jury die Relevanz seiner Hauptidee – die Lösung des sozialen Problems des permanenten Mangels an Kindergartenplätzen im modernen Russland.

Allerdings wurde die Entscheidung der Jury durch die Veröffentlichung des russischen „Forbes“-Magazins vom August 2012 beeinflusst. Das Magazin erkannte, dass sich die von Allerborn vorgeschlagene Form privater Kindergärten am besten bewährt hatte. Hunderte von Unternehmern in ganz Russland nahmen sich dann diese Form als Muster und profitierten davon. Lev Allerborn wurde mit dem Ehrendiplom „Gewinner des Wettbewerbs Junger Unternehmer Russlands 2012“ und einer durch den russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedew gestifteten Geldprämie in Höhe von 400.000 Rubel für einen weiteren Ausbau seines Kindergartennetzwerks ausgezeichnet. Die britische Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Ernst & Young“ händigte ihm außerdem ein Zertifikat für eine Reise in ein beliebiges Land der Welt zur Teilnahme an einem internationalen Unternehmerforum und einen modernen Laptop aus.

Seine Karriere begann 2003, als er 20 Jahre alt war. Allerborn gewann ein Stipendium des DAAD, das ihm ermöglichte, aus Kasachstan nach Deutschland zum Studium an der Philipps-Universität Marburg – allerdings erst nur für die Dauer eines Monats – zu reisen. Laut Testergebnissen kam Leo in die Top Ten der am besten Deutsch sprechenden ausländischen Studenten. Von 2004 bis 2008 studierte er an der Universität Siegen zuerst Germanistik, danach Journalismus. Schon drei Monate nach Beginn des Studiums wurde ihm klar, dass es ohne einen Nebenjob kaum gehen würde. Also suchte er sich seinen ersten Job: für neun Euro pro Stunde reinigte und befreite er einen Hochofen von Ruß – bei einer Temperatur von Plus 60 Grad Celsius. Das war sehr hart, dafür aber konnte er sich nun ein Zimmer in einem Wohnheim für 127 Euro im Monat mieten. Danach gab es eine andere Arbeit, insgesamt hat Allerborn in den fünf Jahren seines Lebens in Deutschland ca. 50 verschiedene Berufe ausgeübt. Auch musste er einmal für sechs Euro die Stunde als Tellerwäscher arbeiten.

Seinen eigenen Worten nach „fühlte er sich zu der Zeit wie ein Niemand“. Eine voreingenommene Haltung ihm gegenüber glaubte er überall zu spüren – an der Uni, in der Gemeinschaft und am Arbeitsplatz. Er ließ sich aber von alledem nicht entmutigen, las gern in Büchern, in denen geschrieben stand, wie erfolgreiche Unternehmer zu ihren Millionen gekommen waren, und glaubte fest daran, dass er in diesen ersten harten Jahren den Grundstein für seinen künftigen Geschäftserfolg gelegt hatte.

Das Schicksal zeigte sich ihm endlich von seiner freundlichen Seite, als Lev Allerborn 2006 heiratete und mit seiner Frau ein paar Monate später ein Kind zur Welt brachte. Nun begann er viel bessere Arbeitsangebote zu bekommen, sein Verdienst stieg. 2008 zogen die Allerborns nach Hamburg. Lev bekam eine gute Anstellung und fasste etwas später den Entschluss selbständig zu werden. Gerade zu diesem Zeitpunkt war es wieder soweit, dass er sein deutsches Visum erneuern lassen muss-te. Es stellte sich aber dabei heraus, dass er durch den mehrmaligen Berufswechsel in Deutschland nicht mehr bleiben durfte. Es hieß: Bis zum 31. Dezember 2008 musste er und seine Familie das Land verlassen.

Die Allerborns beschlossen, nach Kaliningrad zu ziehen, wo die Eltern von Levs Frau leben. „Als ich die russische Grenze passierte, fühlte ich mich wie der glücklichste Mensch auf der Welt. Alles war mir hier lieb – die Luft, die Häuser, die Menschen ... Es schien, als ob niemand mein Glücksgefühl nachvollziehen konnte. Ich aber war mir sicher, dass ich es gerade hier sehr weit bringen kann.“

Am 1. Juli 2009 gründete Lev Allerborn seinen ersten privaten Kindergarten „Sonne“ in Kaliningrad. In den folgenden drei Jahren stieg der Kundenstamm seines Unternehmens bis auf 200 Kinder an. Nachdem sich Allerborn davon überzeugt hatte, dass sich sein Modell eines privaten Kindergartens für russische Verhältnisse am besten eignet, beschloss er seine unternehmerischen Aktivitäten auf andere russische Regionen, Kasachstan und die Europäische Union auszudehnen. In den bevorstehenden zwei Jahren plant er eine Zweigstelle des „Sonne“-Netzwerks in Deutschland zu etablieren. Die ersten Vorgespräche dazu möchte Allerborn im September dieses Jahres in St. Petersburg während des G20-Gipfels führen, wohin er als Gewinner des Jungunternehmer-Wettbewerbs eingeladen ist. Er hofft auf Kontakte mit Kollegen aus Deutschland und deren Unterstützung.

Rückblickend kommt Lev Allerborn zu dem Schluss: „Deutschland gab mir eine enorme Überlebenskraft und lehrte mich Probleme zu meistern. Das half mir in Russland erfolgreich zu werden und zu zeigen, was ich wirklich wert bin.“

www.allerborn.ru




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Quelle:Russ. Zentralbank